Greifenburg, am 30.06.2011
„Die Natur ist meine Kraft- und Energiequelle“
Mit den Tagen der Offenen Tür startete die Gärtnerei Natur fair! in Greifenburg ins Gartenjahr 2011. Auf die neue Geschäftsführerin Mag. Karin Doppelbauer warten viele spannende Herausforderungen.
Karin, im vergangenen Jänner hast Du Deine neue Aufgabe als Geschäftsführerin der Natur fair! – DienstleistungsGmbH in Greifenburg in Angriff genommen. Du wirst dabei von Sylvia Linhart unterstützt. Wie lautet Deine erste Zwischenbilanz?
Doppelbauer: Ich bin sehr zufrieden und mit großer Freude dabei, mich einzuarbeiten in das Unternehmen, die spannende Materie und die traumhafte Gegend. Ich kenne jetzt mein tolles, junges Team, auf das ich mich bestens verlassen kann und mit welchem wir noch viel Neues auf die Beine bringen werden. Die Aufgaben, welche noch vor uns liegen, sind mannigfaltig. Das finde ich großartig. Zudem werde ich sehr aufmerksam von Sylvia Linhart und Herbert Hemzal unterstützt. Ohne ihre rasche Entscheidungs- und Handlungsweise wäre vieles nicht möglich, oder zumindest nicht in diesem Tempo.
In welche Richtung soll sich Natur fair! unter Deiner Führung entwickeln?
Doppelbauer: Die Gärtnerei Grünberger hat eine lange Tradition, die den Kunden lieb geworden ist. Wir schätzen diese Tradition und möchten auf ihr aufbauen und sie weiter entwickeln. Das heißt, ich möchte dem Kunden auch das bieten, was er früher bekommen hat – sprich, hochqualitative Ware, ein breites Sommerblumensortiment, Baumschule und Floristik. Das Neue liegt zum einen in der Art der Präsentation, die sich, entsprechend unserem Slogan „Fair zur Natur – Fair zum Menschen“, insbesondere auch in der Floristik widerspiegeln soll. Wir wollen hin zu einer Floristik, bei welcher Naturmaterialien zu kunstvoller Kultur verarbeitet werden, ohne dabei den Naturbezug zu verlieren.
Fairness zu Mensch und Natur äußert sich auch im achtsamen Umgang mit den Ressourcen und Mitmenschen.
Doppelbauer: Genau. Wir haben uns daher zur Bio-Zertifizierung entschieden und sind demnach in der zwei Jahre dauernden, sogenannten Umstellungsperiode. All unsere Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind biologisch anerkannt. Im nächsten Jahr wird auch das gesamte Sommerblumen-Sortiment Bioware sein. Einzig und allein in den Bereichen Frischblumen und Zimmerpflanzen ist das Angebot bislang noch sehr eingeschränkt. Wir halten jedoch unsere Fühler ausgestreckt.Völlig neu in eurem Sortiment ist die Gemüse- und Kräuter-Schiene.
Doppelbauer: Wir verfolgen dabei die These „Auf die Vielfalt kommt es an“ und legen unseren Schwerpunkt auf viele verschiedene Sorten in geringeren Mengen. Wir wollen damit in erster Linie unseren gesundheits- und ernährungsbewussten Kunden eine zusätzlichen „regionalen Genuss“ bieten und weniger für Großkunden produzieren. Wir sind ganz besonders offen für alte Sorten, Raritäten und Exotisches. Wir züchten in diesem Zusammenhang unsere eigenen Nützlinge, halten Hummeln und arbeiten so in bester Zusammenarbeit mit der Natur. Auch was unsere Kräuter betrifft, bieten wir allerhand Interessantes, wie etwa für die Erhaltung und Verlängerung eines gesunden Lebens, Erhalt der geistigen Vitalität, Würziges für eine spannende Küche oder das erfrischende Grün für den spritzigen Sommer-Drink. Unser Sortiment wird in den nächsten Monaten und Jahren noch erheblich ausgeweitet, da stehen wir erst am Anfang einer wundervollen Reise. Der letzte neue Bereich ist jener der Gartengestaltung. Wir sind gerade dabei, eine Abteilung aufzubauen, die den Menschen in der Umgebung hilft, den Garten ihrer Träume umzusetzen, mit interessanten Gehölzen, Natursteinen und dem Element Wasser.
Zur Umsetzung all dieser Vorhaben bedarf es eines starken Teams.
Doppelbauer: Ich bin in der glücklichen Lage, auf ein starkes Team mit einem großen Erfahrungsschatz vor Ort zurückgreifen zu können. Meine Leute sind jung, motiviert, humorvoll und wissbegierig. Es ist eine große Freude, mit solchen Menschen an eine so große Aufgabe herangehen zu dürfen. Natürlich gibt es unzählige Herausforderungen, aber in einem harmonischen Team, wo auch viel gelacht wird, ist das wunderbar. Dazu werde ich vom Wiener Büro sehr gut unterstützt – ich bin somit gut eingebettet in funktionierende Strukturen, das ist sehr viel wert und ich weiß das zu schätzen. Allein lässt sich so eine große Aufgabe nie bewältigen.
Wie groß ist aktuell Dein Team bei Natur fair?
Was hat es mit dem Versuchsgarten auf sich?
Doppelbauer: Der Versuchsgarten ist Bestandteil der Natur fair! –DienstleistungsGmbH. Er ist räumlich getrennt von der Gärtnerei, auf der Schattenseite vom Weissensee, in Obernaggl, gelegen. Der Garten wurde nach Permakultur-Prinzipien angelegt und dient uns als Versuchszweck im Bereich Raritäten-Gemüse, Kräuter, Beeren, Blumen sowie als Ort der Kraft, wo man inmitten der herrlichen Natur mit Blick auf den Weissensee loslassen und einfach nur genießen kann. Manuela gibt uns Rücksprache, wie die Kulturen auf rund 1000 Metern Seehöhe gedeihen und was sie wieder an Neuigkeiten und sonderbaren Kostbarkeiten angesetzt hat. Viele Produkte wandern direkt in die Küche des WEISSENSEERHOFS.Gemeinsam tretet ihr bei Natur fair! das Erbe der Gärtnerei Grünberger an.
Doppelbauer: Wir empfinden das als eine Riesen-Chance, eine gewaltige Aufgabe und eine große Ehre. Die Familie Grünberger hat den Betrieb mit all ihren Kräften aufgebaut und ihre ganze Schaffensenergie investiert, wofür wir besonders dankbar sind. Wir freuen uns jedes Mal aufs Neue über Besuch der Familie Grünberger.
Welche waren Deine ersten Gedanken, nachdem Du das Angebot, für Natur fair! in Greifenburg zu arbeiten, erhalten hast?
Doppelbauer: Nachdem ich selbst keine Kärntnerin bin und die vergangenen Jahre im Ausland gelebt habe, war natürlich für mich die erste Frage, wo denn der Ort überhaupt liegt. Die ländliche Lage war aber kein Hindernis für mich. Ich wollte nach vielen Jahren im Ausland und großen Städten zurück, und habe mich gesehnt nach Ruhe, Natur, Ordnung und Sicherheit. Ich bin sehr glücklich über die unzähligen Möglichkeiten, die Region und ihre Menschen kennen zu lernen, zum Bergsteigen, zum Entdecken von schönen Plätzen, Hütten mit köstlichen österreichischen Schmankerl. Ich habe schon eine ganze Liste an Gipfeln, die ich erreichen möchte. Mittlerweile kenne ich auch schon die Bürgermeister von Greifenburg und Weissensee und einige andere sehr interessante Menschen aus den Gemeinden.
Geboren bist Du in Oberösterreich, im 1000-Seelen-Dorf Kematen am Innbach. Das Leben am Land ist Dir somit vertraut.
Doppelbauer: Ich komme vom Land und aus der Landwirtschaft, wo ich am Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Hund und Katze aufgewachsen bin. In jungen Jahren habe ich mich aber erst einmal davon weg entwickelt, um Neues kennen zu lernen. Zu den Ursprüngen zurück fand ich über die einstige Faszination für die industrielle Landwirtschaft in Russland und das Projekt „Kakao statt Kokain“ der Firma Zotter-Schokoladen, welches ich in Kolumbien geleitet habe, sich aber leider nicht umsetzen ließ. Ich war auch ein paar Monate in Süd-Indien, wo ich mich mit dem biologischen Gewürzbau beschäftigen konnte. Auch wenn ich viel in der Stadt gelebt habe, so war mir der Bezug zu Land und Natur immer ein Bedürfnis.
Was nimmst Du von den vielen Erfahrungen im Ausland, welche Du sowohl im Zuge Deines Studiums der Internationalen Betriebswirtschaftslehre und Agrar-Wissenschaften als auch danach gesammelt hast, mit?
Doppelbauer: Sehr, sehr vieles. Man macht in der Fremde Erfahrungen, die zu Hause nicht möglich sind. Das Selbstverständliche wird zur großen Herausforderung und exotische Träume werden plötzlich wahr. Ich möchte hier unterscheiden – hinsichtlich der Sicht nach Außen, nach Draußen, auf das Fremde und der Sicht nach innen, auf das eigene Land und die eigene Kultur und Identität. Was das „Außen“ betrifft, so habe ich bestimmt viel Toleranz mitnehmen können, Denken über Grenzen hinaus und eine Faszination und Offenheit für das Andere sowie die Erfahrung, selbst Ausländerin zu sein, mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Was das „Innen“ betrifft, so konnte ich durch diese Erfahrungen mir meiner eigenen Identität besser bewusst werden, meinen eigenen kulturellen Hintergrund schätzen lernen und auch seine Mankos mit einem gesunden Abstand betrachten. Ich empfinde es als einen großen Reichtum, all die Erfahrungen gemacht zu haben, ganz zu schweigen vom Vorteil der zusätzlichen Sprachkenntnisse. Es ist aber genauso auch ein großer Reichtum, in einem freien, hoch entwickelten Land wie Österreich aufgewachsen zu sein und leben zu können.
Wie sieht Dein persönlicher Bezug zur Natur aus?
Doppelbauer: Ich habe einen sehr starken Bezug zur Natur. Sie ist mein absoluter Kraft- und Energiespender. Sie hilft mir, wieder Boden zu fassen, wenn es mir einmal schlecht geht und so zum inneren Gleichgewicht zurück zu finden. Dazu ist die Natur der Ort, wo ich Grenzerfahrungen machen kann, die ich immer wieder brauche, etwa in Form von anspruchsvollen Bergtouren, zu Fuß oder am Rad. Nur wenn wir uns intensiv mit der Natur auseinander setzen, erfahren wir, dass wir ein Teil von ihr sind und respektvoll mit der Natur und nicht gegen sie agieren dürfen.
